Hach Paolo. Was würde ich dafür geben hätten wir heute einen Spieler in einer der führenden Ligen der solche Worte finden würde, wie Du sie damals Mitte der 70iger immer wieder gefunden hast. Egal ob im TV, egal ob in Interviews, egal wo. Die proklamierten Ansichten Solliers zeigten sich immer sehr gesellschaftsorientiert, gegen Faschisten, pro Sozialem und weit mehr.



Seine Autobiographie die sich meist zu seiner Zeit in Perugia abspielt, schildert er die Welt des Fußballs, egal ob Serie B oder A, die seinerzeit schon durch und durch den Neokapitalistischen Strukturen verfallen war.
Er, der “Mao” genannt wurde, war ein Exot. Er war der Fabrikarbeiter, der sein Studium abbrach um näher an der Gesellschaft zu sein, um zu kämpfen, um zu verändern.
Viele Freunde aus dem Fußballbusiness hatte er nicht, wahrlich nicht. Von 11 Freunde müsst Ihr sein, war nie die Rede, weit gefehlt sogar.
An den Pranger stellte er vieles: Die Vereine, die Spieler, die Gesellschaft, die Politik. Für die damalige Zeit schilderte er unverblümt was Sache war. Egal ob Beziehungen, die elendige Fickerei die ihn zu Höchstleistungen brachte, aber ihm auch Gipsbeine bescherte. Der Kampf gegen die Faschisten, die Ihn hassten, speziell die Laziali. Seine Vorstellung von Bildung und Weiterbildung die Ihn dazu brachten an Universitäten zu lehren und für seine Idee der Democrazia Proletaria zu werben. Und nebst der Fickerei natürlich auch um Liebe, mal dramatisch und leidenschaftlich, mal apathisch und erfroren.

Er spricht von Massensport der für Ihn keiner ist, durch falsche Glorifizierung getragen und das ewige Leid der repetitiven Arbeit. Aber auch als Ausgleich, als Ventil der Massen angesehen – die Sportbegeisterung, das wäre nach Ihm der wahre Massensport.
Natürlich verliert er auch kein gutes Wort an der Journalie. Wie denn auch, würden Sie sich doch nur um Verkaufszahlen kümmern, der Wahrheitsgehalt mehr oder weniger außen vor gelassen.

Ließt man solch ein Buch 45 Jahre später, in Zeiten von Corona, der Heuchelei der DFL, der Vereine und all dem was zum heutigen Fußballerlebnis dazu gehört, würde man nicht meinen es handelt sich um solch ein “altes” Werk. Spaltung der Gesellschaft, Hass, Faschismus, Homophobie. All das, was seit Jahrzehnten schon brodelt und immer wieder sich in diversen Ausbrüchen widerspiegelt, bin ich dankbar über alles, wirklich alles was mir an Humanität in den letzten Jahren von diversen Menschen entgegengebracht wurde.

Wie gern würd ich n Bier mit Paolo am Tresen trinken und ihm zuhören.

Grazie a te Paolo

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