Ob Roxette die richtige Einleitung passend für eine Fußball Story ist, sei mal dahin gestellt. Sicher ist definitiv daß Borja Valero eine Menge Herz und eine Menge Herzlichkeit mitbringen muss um sich einem Team der Promozione anzuschließen. Natürlich nicht irgendeinem Team, sondern Centro Storico Lebowski welcher der Calcio Popolare Ideologie folgt.

Doch wait, Borja wer ? Sicherlich sichtlich unbekannt in unseren Gefilden trotz Vereinsstationen wie Inter Mailand und AC Florenz, etlichen CL und EuroLeague Spielen. Eigentlich sollte noch eine Saison bei der Fiorentina folgen, doch der ACF zeigte keine Interesse an der Verlängerung seines Vertrags. Für Ihn und seine Frau wiederum ist Florenz eine Heimat geworden und soll auch für die Zukunft bleiben.
Als der Anruf Lebowskis kam, mußte Borja nicht lange überlegen, sagte er nach einigen wenigen Gesprächen letztendlich zu, mit der Prämisse, DAZN den Vorrang zu geben im Falle der Überschneidung von Promozione und dem Job als Co-Kommentator. Wesentlicher Faktor hatte wohl auch Benedetto Ferrara, welcher eine Fotomontage mit Borja im Lebowski Shirt präsentiere und seinerseits den Stein ins Rollen brachte.

Schon verrückt, bedenkt man wie aus dem Traum Wirklichkeit wurde, wie ein Hashtag #borjagrigionero durch soziale Medien ging und die Macher von Lebowski dies zu der damaligen Zeit, im Juli 2021, folgendermaßen erzählten:
“In the next few days, who knows, maybe we will have the opportunity to explain to Borja who we are, and what it would mean for us (and for him) to wear the Lebowski shirt.In the meantime, let us dream, thanks to that crazy, romantic visionary of Benedetto and above all let us fry, that there is a Festival to do and a Cooperative to be self-financed, because great changes do not happen alone.”

Erstmalig tauchte Borja wenig später in einem Video, “For the fans, by the fans – un giorno come un altro”, auf. Unfassbar aber wahr, immer noch und immer wieder.

Natürlich ist die Verpflichtung Borjas auch ein Boost für Lebowski selbst. So ist die Mitgliederzahl innerhalb weniger Tage um 450 auf mittlerweile 1303 (Stand: 20.09.2021) gestiegen. Für ein Team, welches komplett Selbstorganisiert ist, auf Mitglieder angewiesen, definitiv auch ein kleiner Segen.

Borja selbst aus einem Vorort Madrids kommend wollte nach vielen Profijahren nun etwas zurückgeben, welches er folgendermaßen kommentierte: ”Den Enthusiasmus, Lebowski in Ihrer Funktion als Organisation, all das sind Werte in denen ich mich selbst widerspiegele”.

Natürlich ging die Nachricht der Verpflichtung Valeros durch alle möglichen Gazetten in Florenz und darüber hinaus, als eine Art Gegenopposition gegenüber dem Glamour und Wahnsinn des Profifußballs und dessen Ablösesummen, die im Sommer mal wieder gezahlt wurden. Von wegen Demut, welcher gefühlt vor einem Jahr aufgrund von COVID vieler Fußballclubs propagiert wurde.

Die romantische Love Story wurde letztlich letzten Sonntag Realität. Coppa Italia Promozione stand auf dem Spielplan. Auch noch Audace Galluzzo, Derby also und nicht mal im heimischen Tavarnuzze. Das Stadion mußte aufgrund von COVID Auflagen gewechselt werden, mußte man doch mit einem merklichen Ansturm an Zuschauern rechnen. Nachdem zunächst das Stadion in Due Strade im Süden Florenz angedacht war, wurde es schließlich der Ground in Calenzano im Norden der Stadt, welches auch der erste Gegner im Ligabetrieb sein wird.

Der Fußballgott hatte an diesem Wochenende sicherlich ein Herz für Lebwoski, kommentiere Valero bereits am Samstag das Spiel zwischen Bologna und Inter, dementsprechend stand dem Einsatz Sonntag Nachmittag in grigionero nichts mehr im Wege.
Das Stadio comunale Paolo Magnolfi sicherlich keine Augenweide, umgeben von Industrie, Wohnblocks und diversen Strommasten präsentierte sich speziell an der Bar leicht überfordert.

Morretti und Ichnusa war schon vor der Halbzeit mehr oder weniger aus, naja, man vergaß einfach die Biere kalt zu stellen, was dem Durst aller keinerlei Abbruch tat. So wurde einfach alles noch irgendwie gekühlt aussehend leergetrunken. Natürlich gabs auch Limoncello, in üblichen Art und Weise. Gefühlt 0,1 wurde eingeschenkt anstatt der 2cl welche man hier in Deutschland gewohnt ist. Ach ja, natürlich floß auch das schwarze Gold mal wieder aus einer erstklassigen Siebträger Maschine in die dickwandige Espresso Tasse. Ach Italia, Du bist so wunderbar.

Nachdem die Regenwolken in den Ausläufen der Aquatischen Alpen sich verfangen hatten, zeigte sich auch die Sonne pünktlich zum Anpfiff, war doch am Vormittag noch Regencape und lange Hose angesagt.
Da war er also, Borja Valero und der Traum von Lebowski, lebendig auf dem Platz, voller Demut und Zurückhaltung vor dem Spiel.

Dai Lebowski Dai


Im Stadion selbst tummelten sich um die 500-600 Zuschauer, davon knapp 200-250 der Ultra Rimasti Lebowski die in gewohnter Art und Weise 90 Minuten Dauersupport gaben. Der Himmel wurde immer wieder in Grauschwarzen oder pinken Rauch eingefärbt. Die Tifo gewohnt melodisch und treibend. Die Gesichter in der Curva gewohnt bunt und voller Freude, welche nur durch den späten Siegtreffer etwas getrübt wurde. Aber Lebowski wäre nicht Lebowski, braucht es nur einige Sekunden um direkt einfach weiterzumachen als wäre nichts geschehen.

Ach ja, da war ja noch das Spiel. Beschrieben ist es schnell. Man konnte der Centro Storico eine Art Nervosität in den ersten 25 Minuten sicherlich ansehen. In den Reihen ein einstiger Serie A Kicker, Derby gegen Galluzzo und ein Platz der dem Namen Spielfeld keineswegs gerecht wurde. Erinnerte ein wenig an den Acker vor 2 Jahren am letzten Spieltag in Fosciana, hochdroben in den Bergen nördlich von Lucca. Okay okay, etwas übertrieben, aber der “Sumpf” damals ist definitiv noch ein Bild wert 😅

Fosciana – CSL / Mai 2019


Der Trainer vertraute einem 4-3-3 mit Borja auf der 6, manchmal der 8. Man sah es Ihm an, daß er erst 5 Trainingseinheiten in den Knochen hatte, verteile er aber mehr und mehr die Bälle mit klugen Pässen mit fortlaufender Spielzeit. Nach einem 0-0 zur Halbzeit kam es zu einer eher fragwürdigen roten Karte für Lebowski nach knapp 50 Minuten und, durch einen Torwartfehler, geriet man schließlich auch noch in Rückstand.
Als in der 77.ten Minuten Borja einen platzierten Flachschuss aus knapp 16 Metern auf das Tor feuerte, mußte der Stürmer, den vom Torwart abprallenden Ball, lediglich über die Linien bugsieren. Natürlich brachen auf der Tribuna alle Dämme. Als Borja einen direkten Freistoß noch an die Latte knallte war man dem Sieg, trotz Unterzahl, näher als der Niederlage, die wenig später durch einen Eckball durch Mark und Bein drang.

Irgendwie war die Niederlage dann doch egal. Mehrere Stimmen nach dem Spiel, darunter auch jene von Ale waren unisono: “E solo Coppa”. Gefeiert wurde trotzdem. Das Team, Borja, sich selbst, das was man erschaffen und geschaffen hatte und hat.

In zwei Wochen gleicher Ort, gleiche Zeit und wieder wird es durch die Gassen Calenzanos “FORZA Lebowski” hallen. Ich kann es kaum erwarten, bekannte Gesichter zu sehen, zu singen, Birra und Limoncello zu genießen und was weiß ich noch.

wer ist denn jetzt Borja ?

Abschließend noch eines, ganz einfach und direkt aus dem Herzen:

Grazie a te Lebwoski. Sei qualcosa di molto speciale 💛🖤

Foto credit: @festa.i
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